Ernst Aigner
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Satiren aus 'Publik Forum'

Der Prophet und sein Gewehr
Schon wieder ein Wunder!
Folgt nun die Heiligsprechung von Kaiser Karl?

Wirtschaftskraftzersetzung"

Der Prophet und sein Gewehr

Über unerwünschte Nebenwirkungen
beim Umgang mit der Bibel

(April 2003)

Manche meinen, der Albtraum, den unser Kollege Gottlieb Friedl im Bildungshaus Schloss Puchberg geträumt hat, stünde in ursächlichem Zusammenhang mit dem Konsum eines exegetischen Vortrags über "Schlachtopfer und Bluttabu im deuteronomischen Geschichtswerk". Andere wieder führen ihn zurück auf den Genuss eines für ihn ungewohnten vegetarischen Menüs, für das er sich spontan nach den Ausführungen von Prof. Fleischhacker (UNI Schweinfurt) entschieden hat. Wie auch immer, - seit diesem Traum verspürt Kollege Friedl den Drang, in jede Bibel, die ihm unterkommt, hineinzuschreiben: Dieses Buch kann Ihre geistige Gesundheit gefährden! Doch urteilen Sie selbst. Herr Friedl hat für uns seinen Traum schriftlich zusammengefasst.

Fußgeherzone. Jemand gibt mir einen Zettel in die Hand. "Bibelausstellung" steht darauf. Warum nicht, denke ich mir, im Jahr der Bibel hat man sich gewiss besonders angestrengt. Vielleicht kaufe ich mir Behelfe für den Unterricht oder ein Video. Ich betrete ein großes Gebäude mit der Aufschrift "Bibelmesse" und bin überrascht!
Eine Riesenhalle nur für die Bibel. Unzählige Stände, Kojen, Bühnen, Präsentationen, und alles auf dem neuesten Stand der Technik! Ich reihe mich ein in die bunte Menschenmenge, die sich fröhlich durch die Halle bewegt. Ein angenehmes Hochgefühl erfasst mich. Habe ich mir das nicht immer schon gewünscht, dass das Wort Gottes die Massen ergreift und die Menschen versöhnt? Dieser Herr dort im roten Che-Guevara-T-Shirt, der den Kinderwagen schiebt, ist das nicht ein Bischof? Und dort verschenkt ein rundlicher Mann mit Igelfrisur eine Broschüre. "Die ganze Wahrheit in aller Klarheit". Ist das nicht unser Vizekanzler? Ich bin baff. Überall leuchtet und blinkt es, aus Lautsprechern sprudeln Bibelzitate, gregorianische Choräle, der Swing schwarzer Gospelgruppen. Und immer wieder in allen erdenklichen Formen die Bibel, gedruckt, vertont, gefilmt. Das Buch des Lebens, über alle Grenzen hinweg. Herrlich!
Da vorne wird stapelweise ein Bestseller verkauft. Ich trete näher, eine nette Dame reicht mir "Gottes Wort für jeden Anlass". Sie lächelt wie unsere Außenministerin. Ich könne ruhig ein wenig darin blättern, meint sie.
Ich schlage willkürlich eine Stelle auf und lese im Kapitel "Gottes Wort für Machos": Gott sprach zur Frau: Du hast Verlangen nach deinem Mann, er aber wird über dich herrschen. Aus. Punkt. Das steht hier, kitschig eingerahmt, ohne Kommentar, ohne Stellenangabe, aus dem Zusammenhang gerissen. Ich stutze und blättere weiter zu "Gottes Wort für Krieger": David schlug die Moabiter. Sie mussten sich nebeneinander auf die Erde legen und er maß die Reihe mit einer Messschnur ab: jeweils zwei Schnurlängen wurden getötet und jeweils eine Schnurlänge ließ er am Leben. Auch ließ er alle Wagenpferde lähmen. Der Herr half David bei allem, was er unternahm.
Was soll das, denke ich mir, so kann man doch mit der Bibel nicht umgehen! Verunsichert blättere ich zum Inhaltsverzeichnis und finde "Gottes Wort" für Eltern, die ihre Kinder schlagen, für Kreationisten, Sklavenhändler, Henker, Antisemiten, rechtsradikale Israelis, Wundersüchtige, Papisten, Faschisten, Kapitalisten, Apokalyptiker, Kreuzritter. "Beeindruckend, nicht?", höre ich neben mir die nette Dame. Ich schüttle den Kopf: "Hören Sie, gute Frau, wenn Sie hergehen und alle diese Grausamkeiten abdrucken und Sie berufen sich dabei auf Gott ..."
"Sie interessieren sich für Gewalt in der Bibel?", unterbricht sie mich. "Da haben wir auch ganz tolle Filme im Programm. "Gottes Kampf gegen die Achse des Bösen", "Vier Fäuste für ein Halleluja", "Armageddon". Oder etwas Dokumentarisches? Die biblischen Todesstrafen in DVD! Oder ein Computerspiel? "Die letzte Schlacht"! Da können Sie wählen, wer der Antichrist sein soll: Hitler, Stalin, Saddam Hussein, ..."
Es fällt mir schwer, ruhig zu bleiben: "Sie verstehen mich falsch. Ich bin der Meinung, ein Christ sollte gegen Gewalt eintreten. Denken Sie etwa an die Bergpredigt!"
"Natürlich. Wir haben auch Gottes Wort für Pazifisten und Umweltschützer", und flüsternd fügt sie hinzu, "ich könnte Ihnen auch Gottes Wort beschaffen für Schwule, Lesben, Emanzen und sogar Kommunisten! Im neutralen Umschlag. Gegen Aufpreis."
"Aber das passt doch nicht zusammen!", rufe ich wohl etwas zu laut. "Das kann doch nicht gleichzeitig alles wahr sein! Man muss die Bibel aus ihrer Zeit heraus verstehen. Vieles kann man heute nicht mehr so ..." Ich kann nicht zu Ende sprechen.
Ein älterer Herr unterbricht mich: "Wollen Sie sagen, Gottes Wort ist nicht wahr?"
Ich sehe mich plötzlich von Menschen umringt. "Aber die Bibel ist doch ein schwieriges ..."
Wieder werde ich unterbrochen, einige der Umstehenden rufen durcheinander. "Die Bibel ist Wort Gottes vom Anfang bis zum Schluss, so einfach ist das", "Leute wie Sie verunsichern die einfachen Menschen", "Sie bringen das Wort Gottes um seine Kraft!", "Was wir brauchen ist Geschlossenheit und Stärke", "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!", "Ihnen fehlt der Glaube!"
Ich blicke in aufgeregte Gesichter, die auf mich einreden. Mir wird schwindlig. Jemand packt mich von hinten an der Schulter. Ich drehe mich um und stehe direkt vor einem riesigen Mann in Cowboykleidung, der mir bekannt vorkommt. "Ich bin Mose, der Prophet", sagt der Riese, "verkleidet als Charlton Heston!" Jetzt nur nicht die Nerven verlieren, denke ich, die sind alle verrückt, ich muss die Situation beruhigen. Ich merke, dass es ringsum still geworden ist. Die Leute folgen gespannt unserer Begegnung.
"Nett, Sie kennen zu lernen, Herr Mose", sage ich betont freundlich, "ich bin Gottlieb Friedl, der Religionslehrer." Ich versuche, ihm die Hand zu geben, doch er hat keine frei. In seiner Rechten hält er einen Stab mit der Aufschrift "Gewidmet von der National Rifle Association!", mit seiner Linken fuchtelt er mit einem Schwert herum. Er stellt sich in Hollywood-Pose.
"So spricht der Herr! Du sollst das Böse ausrotten aus deiner Mitte!"
Rasch ergänze ich: "Sie haben völlig Recht. Weg mit dem Bösen, - und nicht nur aus der Mitte!"
"So ist es, mein Sohn", sagt er, "auch zur Rechten und Linken gibt es Böses."
"Und vorne und hinten, oben und unten, überall gibt es soviel Böses", sage ich.
Es funktioniert. Mose lässt das Schwert sinken und blickt mich an.
"Wer seine Eltern verflucht, wird mit dem Tode bestraft. Auch Hexen. Und Drogenhändler." Er blickt mich streng an. Jetzt bin wieder ich dran. "Und Schurkenstaaten mit Massenvernichtungswaffen", sage ich. Er lächelt breit und legt mir eine Hand auf die Schulter. "Ich sehe, wir verstehen uns", sagt er, und zur Menge gewandt fügt er hinzu: "Das ist ein guter Mann. Er kennt das Gesetz!" Ich atme erleichtert auf. Ich muss hier so schnell wie möglich raus. "Darf ich Sie zum Essen einladen", sage ich, "ich kenne ein Lokal, wo es Wachteln gibt."

Mose und ich gehen eine Straße entlang. Er trägt jetzt ein Gewehr. "Sie haben natürlich Recht", sagt er, "aus der Bibel kann jeder herauslesen, was er will! Deshalb brauchen die Leute eine starke Führung, die ihnen sagt, worauf es ankommt. Nur der Glaube gibt uns die Power, die wir brauchen. Denn so spricht der Herr: Die Macht kommt aus dem Lauf der Gewehre!"
"Wo soll denn das stehen?", wende ich ein.
Mose zuckt mit den Schultern. "Sie müssten wissen, wo das steht. Ich bin ein Mann der Tat."
Ich mache noch einen Versuch. "Was halten Sie von Jesus?"
Er bleibt stehen und blickt mich an. "Ehrlich gesagt, nach seinen ersten Predigten dachte ich mir: Er ist zu lasch, ein Warmduscher, ein Frauenversteher. Aber der Abgang war unheimlich stark. Stramme Leistung, klassischer Opfertod, ein echter Held!"
Ich geb's auf. Wir gehen weiter. "Betreten Sie nie ein Lokal ohne Gewehr", sagt er dann, während er ein paar Patronen aus der Tasche holt. "Klar", sage ich, "sicher ist sicher!"
"Genau, und wenn der Koch das Steak ruiniert, paff!" Seine Flinte ist jetzt nachgeladen.
Ich nicke. "Du sollst das Böse ausrotten aus deiner Mitte."
"Ich habe schon ganze Gaststätten leergefegt. Es ist schrecklich, wenn der Zorn des Herrn entbrennt!"

Mose und ich sitzen im Speisesaal des Bildungshauses Schloss Puchberg. Eine Kellnerin bringt uns die Speisekarte. Ich bin erleichtert. Es gibt T-Bone-Steaks mit ungesäuertem Brot, Wachteln an Ysopmousse, Paschalamm mit Bitterkräutern, alles, was ein Moseherz begehrt. Da nähert sich der Rektor und sagt: "Es tut mir schrecklich Leid, aber es gibt nur mehr das vegetarische Menü". Mose greift zum Gewehr. Ich werfe mich zu Boden, robbe hinter eine Säule und brülle: "Herr Dr. Bräuer, laufen Sie!" Da kracht ein Schuss. Ich wache auf.

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Schon wieder ein Wunder! Folgt nun die Heiligsprechung von Kaiser Karl?

Mayerling, 5. Oktober 2004

An das Amt für Heilig- und Seligsprechungen im Vatikan, Rom!
Hochwürdigste Exzell- und Eminenzen!

Gleich am Beginn muss ich zugeben, dass ich religiös nicht übertrieben aktiv bin. Die Sonntagsmesse ist nicht unbedingt meins, aber ich glaube felsenfest an Gott und an die kulturelle Überlegenheit des christlichen Abendlandes. In jedem Urlaub gehört die Besichtigung der großartigen Dome und Kathedralen zum Pflichtprogramm, und meine Gattin und ich waren auch schon bei einer Papstaudienz und sehr beeindruckt. Aber nun zu meinem Anliegen:
Es hat mich sehr berührt, wie der letzte Kaiser von Österreich, Karl I., im Fernsehen selig gesprochen worden ist, weil man ihn einer Wunderheilung überführen konnte. Vielleicht könnte Karl bald schon in den Rang eines Heiligen vorrücken, weil ich möglicherweise auch von einem Wunder berichten kann. Ich habe gelesen, dass er eine Frau von den Krampfadern befreit hat.
Auch ich kann ein Liedchen davon singen. Oder besser gesagt: konnte! Ich litt jahrelang am linken Bein an solchen und unterzog mich deshalb vor zwei Jahren einer Operation. Gleich anschließend leistete ich mir mit meiner Gattin einen Urlaub auf der Blumeninsel Madeira. Im Flugzeug musste ich noch einen Stützstrumpf tragen. Ich verspürte den inneren Drang, die Grabeskirche von Kaiser Karl zu besuchen, und was soll ich sagen: Der Atem der Geschichte hat mich angerührt. Ohne den engen Zusammenhang zwischen Kaiser Karl und Krampfadern zu kennen merkte ich eine heilsame Wirkung. Die Wundheilung am linken Bein verlief extrem schnell und das rechte Bein ist bis heute makellos und kann sich jederzeit mit einem David Beckham oder Dieter Bohlen messen. Ich habe zwar nicht direkt zum Kaiser gebetet, aber die Hochachtung vor der Feierlichkeit des Ortes hat mich überschattet. Außerdem bin ich schon lange kritisch gegen die Demokratie eingestellt und meine Gattin ist ein Fan der Sissi-Filme und schwärmt geradezu für gekrönte Häupter. Und die Kirche ist ja auch irgendwie eine Monarchie.
Und noch etwas:
Meine Gattin war das ganze Frühjahr über stark verkühlt. Auf Madeira waren plötzlich die Atemwege frei. Vielleicht war auch das ein Wirken des seligen Kaisers. Er ist ja selber sehr jung gestorben an Lungenentzündung und setzt sich womöglich gerade deshalb besonders für die Atemwege ein. Mir ist durchaus bekannt, dass es Kritiker einer Heiligsprechung gibt, weil Kaiser Karl im 1. Weltkrieg an der Südfront Giftgas eingesetzt hat, welches sich gerade auf die italienischen Atemwege sehr ungünstig ausgewirkt haben soll. Aber vielleicht will er das jetzt sühnen durch besonderen Einsatz auf diesem Gebiet. Ich finde, man soll diese alten Geschichten heute nicht mehr aufwärmen und in jedem Menschen das Gute sehen, gerade wenn es sich um einen Heiligen handelt!

Ich hoffe, dass mein Bericht ein kleiner Beitrag dazu ist, dass der selige Karl nun bald zum heiligen Karl befördert werden möge, nicht zuletzt deswegen, weil ich auch so heiße.

Hochachtungsvoll
Karl Kaiser,
Isonzostraße 12, Mayerling

P.S.
Noch eine Anregung: Die Kirche hat Finanzprobleme, Stichwort Kirchenaustritte. Wenn man in der Werbung verstärkt auf die Wunderheilungen verweisen würde, könnte man bei so mancher Krankenkasse für Katholiken eine Beitragssenkung erreichen, sodass eine Mitgliedschaft bei der Kirche sich nicht nur im Jenseits, sondern bereits im Diesseits rentieren würde!

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Wirtschaftskraftzersetzung

Gott zum Gruße, Herr Militärbischof!

Ich bin kein Mann, der gerne viele Worte macht. Wenn ich einmal zur Feder greife, dann unter dem Motto: "Hier stehe ich, und ich kann noch ganz anders!" Deutschland ist in Gefahr! Ich weiß nicht, ob ich bei Ihnen an der richtigen Adresse bin, aber wenigstens Ihr Amt als solches scheint mir die Gewähr zu bieten, es mit einem aufrechten Mann zu tun zu haben, und nicht mit einem öffentlichen Herumsteher.
Meine These lautet: Der Wirtschaftsstandort Deutschland kann nicht gesunden, solange der Glaubensstandort Deutschland darniederliegt! Wie soll Deutschland jemals wieder an die Spitze der Völkergemeinschaft vorrücken, wenn nicht einmal mehr die Kirchen Pflichterfüllung und Opfermut vorleben, sondern Gleichmacherei und Kleingeisterei? Aus den Gottesdiensten sind Wohlfühlparties knieweicher Gutmenschen geworden, aus den kirchlichen Jugendgruppen Streichelzoos.
Die rosaroten Träume vom ewigen Frieden können wir getrost den Grünbolschewiken und Charaktereunuchen überlassen. Wir wissen, dass nur das stete Bemühen um einen Platz an der Sonne die Völker adelt, eingedenk der römischen Weisheit "mens sana in campari soda!" Das Leben ist ein Kampf, Geschichte der Wechsel von Kriegs- und Zwischenkriegszeiten. Die großen Kämpfe im Alltag finden heute wie eh in der Wirtschaft statt. In Paris gibt es eine Schule für Wirtschaftskrieg, aber was gibt es bei uns? Gejammere und Defätismus!
Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als man 48 Stunden pro Woche gearbeitet hat und der Gottesdienst am Sonntag eine Selbstverständlichkeit war. Ein Christ sollte nicht immer fordern und fordern, sondern er erwartet seinen Lohn im Himmel. Am Sonntag sollen die Menschen ermutigt werden, die Last der Arbeitswoche wieder gerne zu tragen. Der Unternehmer soll am Montag merken: "Aha, dieser Arbeitnehmer hält große Belastungen aus und bleibt fröhlich dabei. Der ist sicher gestern in der Kirche gewesen." Christen sollten den anderen Vorbild sein an Opfergesinnung! Unsere Vorfahren haben noch viel größere Opfer gebracht. Ich sage nur: Stalingrad!
Aber wenn heute verantwortungsbewusste Wirtschaftsführer wie Herr Schrempp auch nur über längere Arbeitszeit nachdenken, fallen die versammelten linkslinken Medien über ihn her. Wissen Sie, was das ist? Wirtschaftskraftzersetzung!
Fakt ist: Ein einziger Arbeitstag mehr per anno steigert die Wirtschaft um 0,3%. Wenn die Kirchen bereit sind, den einen oder anderen Feiertag zum Arbeitstag zu machen, wenn wir unsere Urlaubsansprüche einschränken, wenn wir vor allem freiwillig ein paar Stunden mehr arbeiten, geht es wieder aufwärts mit Deutschland, - als Glaubensstandort und als Wirtschaftsstandort! Christen voran!

Mit herzlichem Gruße
Generalmajor a.D.
Wolfdieter Krach

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