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Satiren aus den Oberösterreichischen Nachrichten

The Da Vinci Code - Sakrileg: Die Österreich-Version
Der große Fußballpsalm
Das Kindlein mit dem kristallenen Bauchnabel
Doping, wohin man schaut
Design oder Nichtsein
Weißwurst, Bier und Vatikan
Personennahverkehr
Des Hasen Wiederkehr
Die spinnen, die Finnen!
2004, das Jahr der Synergien
Grenzfall Weihnachten
Nieder mit der Sonntagsruhe!
Weibliche Werte
Willkommen beim Abschied!

 

"The Da Vinci Code -
Sakrileg": Die Österreich-Version

(Juni 2006)

"Völlig verrückt!" Es gelang ihm nicht, seine Aufregung zu verbergen. "Und noch schlimmer als Sakrileg!" Er warf einen Packen Papier auf den Kaffeehaustisch. Das Deckblatt schwebte zu Boden. "Der Assisi Code - Sakaradi, D. Brown", stand darauf.
"Besser als Sakrileg", entgegnete gelassen sein Gegenüber. "Sakrileg ist fiction, aber das hier", er hob das Blatt auf, "das sind facts. Ihre Partei wird damit keine Freude haben, so kurz vor den Wahlen. Also, wie viel bieten Sie, Herr Generalsekretär, dass es nicht erscheint?"
Reinhold Lopatka atmete tief. "Erpressung ist das, Mr. Brown. Ohne Beweise kriegen Sie nichts!"
Dan Brown lehnte sich zurück. "Sagen wir so: Es ist mein Geschenk an die ÖVP, weil ich mütterlicherseits von Carl Lueger abstamme. Und meine Beweise sind über jeden Zweifel erhaben, die DNA-Analysen sind eindeutig: Alfred Gusenbauer ist ein Nachkomme des Franz von Assisi! Ihre katholischen Wähler werden in Scharen zur SPÖ überlaufen. Gusenbauer wird als moderner Heiliger Franz erscheinen: Im Eintreten für die Armen, in seiner Gleichgültigkeit gegenüber seinem äußeren Erscheinungsbild, in seiner Vorliebe für toskanischen Wein! Und die zweite Entdeckung ist nicht weniger wichtig: Ewa Glawischnig als Enkelin von Mutter Teresa! Gegen Rot-Grün haben Sie dann keine Chance mehr!"
Lopatka sah ihn an. "Wie viel?"
"300 Millionen. Das ist weniger als der Preis von drei Eurofightern!"
Lopatka erhob sich. "Einen Moment, ich muss mit dem Chef sprechen!" Hastig wählte er eine Nummer auf seinem Handy und eilte hinaus. Kurz darauf kam er zurück.
"Nun", fragte Mr. Brown, "ich nehme an, Mr. Schüssel würde die Wahl gerne gewinnen!"
"So ist es", entgegnete Lopatka, "aber er bietet Ihnen nicht 300, sondern 500 Millionen. Unter einer Bedingung!"
"Und die wäre?"
"Dass sie das Buch umschreiben. Sie beweisen, dass Wolfgang Schüssel von Odysseus abstammt und Liesl Gehrer von Maria Theresia!"
"Kein Problem!" Brown zeigte auf den Papierstoß: "Ein paar kleine Änderungen und Sakaradi wird ein Welterfolg, - in Ihrem Sinn."
Lopatka reichte ihm die Hand: "Mein Chef weicht nicht der Gewalt. Er verbündet sich mit ihr."
Dan Brown nickte: "Fein für Sie". Und grinsend fügte er hinzu: "Wie sagt man so schön bei Ihnen: Gott schütze Österreich!"

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Der große Fußballpsalm

(Juni 2006)

"Es gibt keinen Gott außer dem Fußball. Das Tor, das meiner Mannschaft zum Siege verhilft, ist das Tor in den Fußballhimmel!" So spricht der Tor in seinem Herzen.
Allmächtiger, du thronst in Deiner Herrlichkeit über allen Mächten und Gewalten, der sportlichen und der unsportlichen Welt. Auch König Fußball hätte keine Macht, hätte er sie nicht von Dir. Und wäre Dein eingeborener Sohn in jenen Tagen schon fußballspielend auf Erden gewandelt, selbst Kaiser Franz hätte es nicht gewagt, auch nur die Schnürsenkel seiner himmlischen Fußballschuhe zu lösen
Wer hat den Rasen und den Ball geschaffen, wer wiegt die Allianz-Arena in seiner Hand wie ein Staubflankerl, wer spannt die Wadenmuskeln Ronaldinhos, wer zirkelt das lederne Rund auf das lockige Haupt von Michael Ballack? Kein Pfiff des Schiedsrichters erschallt ohne dein Wissen, kein Grashalm im Weserstadion ergrünt ohne Deine Zustimmung, und noch ehe der Ball auf dem Elfmeterpunkt liegt, weißt du schon, in welche Ecke David Beckham zielen wird.
Zu groß ist Deine Weisheit für uns, o Herr, als dass wir sie begreifen könnten!
Schenke uns große Flachbildschirme, heiße Spiele und kühle Getränke, stille unseren Durst nach fröhlichen Sprüchen, erleichternden Flüchen und hitzigen Debatten.
Bewahre uns vor verständnislosen Chefs, quengelnden Kindern und nörgelnden Frauen, die ja doch nie kapieren werden, was ein Abseits ist. Verschone uns vor eitlen Schwätzern im Fernsehstudio, randalierenden Roadies und Betrügereien aller Art.
Erfülle unsere Sehnsucht nach spannenden, fröhlichen und friedlichen Spielen und kröne die beste Mannschaft mit dem Weltmeistertitel.
Und wenn dann das Theater vorüber ist, o Herr, erhöre noch einmal unser Flehen: Schaue gnädig herab auf unser kleines Österreich. Wie lange schon zürnst Du uns und machst uns zum Gespött unter den Fußballvölkern von Kroatien bis zu den fernen Färöer-Inseln am Rande des Erdkreises. Allmächtiger, habe Erbarmen mit unseren Jausenkickern, schicke uns tüchtige Trainer, die nicht nur Sprüche klopfen, beherzte Spieler, die wieder mehr dem Ball als dem Geld nachlaufen, und lasse uns auf die Fürsprache der Heiligsten Gottesmutter von Cordoba den Piefkes wieder einmal zeigen, wo der Wastl den Most holt!

Amen.

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Das Kindlein mit dem kristallenen Bauchnabel

(Dezember 2005)

Beim diesjährigen Ad-limina-Besuch unserer Bischöfe in Rom entschied sich der Heilige Vater nicht für eine Fußwaschung, sondern für eine gründliche Kopfwäsche. Papst Benedikt XVI. ermahnte die Oberhirten aus Österreich, wieder stärker auf die Verbreitung eines unverkürzten Glaubenswissens zu achten. Auch wir möchten dazu einen Beitrag leisten. Liebe Leserin, lieber Leser, überprüfen Sie bitte selbst, ob Sie die Fehler, die im Text des Weihnachtsevangeliums versteckt sind, entdecken können!

In jenen Tagen erließ Präsident Fischer den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen, damit das Staatswesen wieder gerecht finanziert werden könne. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Jörg aus Bad Goisern hinunter ins Bärental, wo sein arisierter Stammbaum verwurzelt war. Mit ihm zog Kriemhild, seine Verlobte, die ein Kind erwartete, von wem auch immer. Als sie dort waren, kam für Kriemhild die Zeit ihrer Niederkunft. Sie gebar einen prächtigen Sohn, wickelte ihn in Aktien und Banknoten, und gab ihm den Namen Karl-Heinz. Und siehe: Sein Bauchnabel funkelte, denn er war aus reinem Kristall!
In jener Gegend lagerten Großindustrielle auf einem Golfplatz. Da trat ein Seitenblicke-Journalist zu ihnen und sprach: "Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude! Heute ist Karl-Heinz, eurer Retter, geboren. Er wird die Reichen noch reicher machen und die Steuerschlupflöcher nicht verstopfen, damit die Gelder der Gestopften leichter entschlüpfen können. Die einfachen Menschen werden noch mehr arbeiten und weniger verdienen, damit eure Profite wachsen wie das Ozonloch über der Antarktis!"
Da erschallte großer Jubel aus ihren neoliberalen Mündern, und sie beschlossen, dem Nabel des Kindleins zu huldigen, und ihm Gold und eine Homepage zu schenken. Und plötzlich erklang von oben her ein großes Brausen, und siehe, ein Schwarm funkelnagelneuer Eurofighter flog vorüber.
Das einfache Volk im ganzen Lande aber staunte, denn aus diesen Fliegern schwebten, befestigt an kleinen Fallschirmchen, unzählige Sparpakete hernieder, gefüllt mit warmer Luft und Gürteln zum Engerschnallen. Am Himmel aber war weithin in Düsenschrift zu lesen: "Geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut!"

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Doping, wohin man schaut

(Dezember 2005)

"Gut, dass ich Sie treffe", grüßte Herr Gscheidl, als ich die Apotheke verließ, "was hat Sie zum Drogendealer geführt?" "Eine harmlose Verkühlung", sagte ich. "Apropos harmlos", und schon hatte er sein Stichwort gefunden, "was sagen Sie zur Sperre von Hans Knauß?"
Ich stellte mich ahnungslos. "Welcher Knauß? Der mit der Ogino-Verhütung?"
"Aber nein. Der Schifahrer. Gesperrt wegen Dopings!"
"Man wird ihm was ins Essen gemischt haben bei der Iss-was-Gscheit's-Werbung", entgegnete ich.
"Ach Unsinn! Das ganze System ist so verlogen", grollte er, "die dopen doch alle! Ich bin für völlige Freigabe. Sport wäre dann auch ein Wettkampf der Ärzte!" Herr Gscheidl hob den Zeigefinger. "Und meinen Sie ja nicht, Doping gibt es nur im Sport. Was glauben Sie, wie sich Politiker fit halten bei diversen Marathonsitzungen?"
"Kaffee, Alkohol, Tabletten?"
"Richtig. Da fragt keiner, ob das erlaubt ist. Hauptsache, das Ergebnis stimmt."
"Na ja", warf ich ein, "wenn man sich die Reden im Parlament anhört, denkt man eher an Magermilch!"
"Also bitte", jetzt wurde er patriotisch, "hätten Raab und Figl 1955 die Russen nicht unter den Tisch gesoffen, wären wir heute noch nicht frei! Oder nehmen sie den Minister Grasser: Ohne Doping wäre er in der Flut umgekommen!"
"Was", fragte ich erstaunt, "der trinkt auch?"
"Sicher! Der ist doch die lebende Red Bull-Werbung. Ich kann mir gut vorstellen, wie das war auf den Malediven. Er spricht nicht darüber, aus Bescheidenheit. Grasser sieht die Flut kommen, greift sich eine Dose Red Bull, eine zweite für die Freundin",
"… edel, wie er ist",
"…und schon sind sie in Sicherheit auf einem Hügel",
"…denn Red Bull verleiht Flügel?!"
"Exakt! Was sagen Sie zu dieser Theorie?"
"Falsch", sagte ich, "dann hätte er doch gleich heimfliegen können, statt sich zwei Plätze von der AUA sponsern zu lassen."
"Eines ist klar", beharrte Herr Gscheidl, "jeder erfolgreiche Mann nimmt heutzutage mehr oder weniger verbotene Mittel!"
"Nicht unbedingt", konterte ich, "G.W. Bush machte Karriere, weil er nichts mehr trinkt!"
"Das stimmt allerdings. Den hat ein Prediger mit Jesu Hilfe trockengelegt."
"Schade", sagte ich, "für die Welt wäre es wohl besser, Jesus hätte ihn weiter saufen lassen!"
"Endlich einmal sind wir einer Meinung", strahlte er. "Darf ich Sie auf ein Vierterl Doping einladen?"
"Als Zeichen des Protests gegen die amerikanische Kriegspolitik?", präzisierte ich, "da darf man wohl nicht Nein sagen!"

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Design oder Nichtsein

(August 2005)

"So groß ist die Welt, und ausgerechnet Sie muss ich hier treffen. Welch grausames Geschick", murrte ich, "Sie haben nicht zufällig keine Zeit?" Doch Herr Gscheidl hatte Zeit, wie immer.
"Sagen Sie nicht Zufall", grinste er, "Zufälle gibt es nicht. Ich habe gerade an Zufälle gedacht, und Sie laufen mir über den Weg und reden von Zufall. Das kann kein Zufall sein!"
"Denken Sie zufällig öfter über Zufälle nach? Fällt Ihnen kein faderes Thema ein?"
Herr Gscheidl blickte ungläubig: "Fad, sagen Sie? Das ist das spannendste Thema seit Jahren. Haben Sie nicht mitgekriegt, dass Kardinal Schönborn der Meinung widersprochen hat, man könne die Welt ohne göttlichen Plan erklären? Und Andreas Khol hat ergänzt: Ohne Schöpfungsplan keine Wertordnung, denn dann haben wir den Relativismus!"
"Warnung vor Werteverfall und Relativismus war immer schon ein beliebter Trick, absolute Ansprüche durchzusetzen", entgegnete ich.
"Schauen Sie um sich!" Herr Gscheidl wurde schwärmerisch. "Diese herrliche Natur kann man doch nicht mit blindem Zufall erklären. Nichts gegen die Evolution, aber dahinter muss es ein göttliches Design geben, wie der Kardinal gesagt hat!"
"Das stimmt", sagte ich, "bei so mancher Kirchenlehre denke ich mir, mit natürlichen Dingen kann das nicht zugegangen sein!"
Er nickte. "Sondern mit einem göttlichen Plan!"
"Aha", meinte ich, "und danach hat Gott die Einzeller, Saurier und Affen erschaffen, um als Ziel den Menschen hervorzubringen."
"Richtig, ist das nicht ein erhebender Gedanke?" "Herr Gscheidl als Krone der Schöpfung!"
"Warum nicht?" Er lächelte großmütig. "Das gilt natürlich auch für andere Menschen!"
"Für Jörg Haider auch?" Er zögerte. "Im Prinzip ja."
"All die vielen Arten, die kamen und gingen, um am Ende Jörg Haider hervorzubringen? Ist es da für Gott nicht besser, wir lassen ihn aus dem Spiel und greifen auf den Zufall zurück?"
Herr Gscheidl blickte ratlos, ich setzte nach.
"Khol wiederum sieht in Schüssel die Krone der Schöpfung. Auch Frau Rauch-Kallat hat sich nach den letzten Wahlen ausdrücklich beim lieben Gott bedankt! Es kann aber sein, dass die ÖVP schon bald gezwungen ist, den Weltenlauf wieder durch blinden Zufall zu erklären."
"Wieso denn das?"
"Wenn nach den nächsten Wahlen der Kanzler Gusenbauer heißen sollte!"

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Weißwurst, Bier und Vatikan

(Mai 2005)

An Seine HW Eminenz, den Erzbischof von München, Friedrich Kardinal Wetter!

Ja, Herrgottsapperment, jetzt haben wir einen waschechten Baiern als Papst, und dann passiert monatelang nix, um diese Chance für unseren Freistaat zu nützen, außer einer Ratzingertorte in Marktl am Inn! Ja, noch schlimmer: Es besteht die Gefahr, dass man draußen in der Welt den Heiligen Vater für einen normalen Deutschen hält. Wenn die BILD-Zeitung behauptet, "Wir sind Papst", dann ist das eine ausgschamte Frechheit, eine ausgschamte, weil BILD bekanntlich im Norden erscheint, wo die Evangelischen wohnen, die wo gar nicht an den Papst glauben, nicht einmal an die Muttergottes! Da hätten die Kardinäle gleich einen aus Südkorega oder Nordvitamin wählen können, wenn man jetzt aus unserem XVI. Benedikt einen Preußen macht!
Sg. Herr Eminenz, wir machen Ihnen daher Vorschläge, wie der neue Papst eine Bajuwarisierung der Kirche vorantreiben könnte. Wir bitten Sie, diese dem Heiligen Vater zu übermitteln!
1. Zulassung von Bier als liturgisches Getränk: Wer sagt, dass Jesus nicht auch dann und wann eine Maß Bier getrunken hat? Immerhin war er als Baby in Ägypten, wo man das Brauen seit langem beherrschte, und in der Bergpredigt steht ein Satz, der bairischer nicht sein kann, wenn man einmal davon absieht, dass man damals offenbar nicht "die Maß", sondern "das Maß" gesagt hat: "Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden"! (Mt 7,2)
2. In der Kirche gibt es viele lange Gewänder im Stil der Römerzeit, weil die meisten Päpste bisher Italiener waren und sich die anderen nicht wehren konnten! Aber jetzt könnte auch einmal eine bairische Tracht zum Zuge kommen: Wie festlich wäre doch der Einzug in das Konklave gewesen, hätten die Kardinäle Lederhosen mit besticktem Hosenlatz, Wadenstrümpfe, Haferlschuhe und eine Kropfkette getragen!
3. Wir fordern auch für Rom ein Oktoberfest! Der Papst könnte dann mit einem neuen Papamobil der Marke BMW hinausfahren zum Festzelt auf dem Circus Maximus, und dort vom Segen "Urbi et Orbi" zu den Klängen des Bairischen Defiliermarsches direkt übergehen in ein umjubeltes "Ozapft is!", und die ganze Welt würde wissen: "Am bairisch' Wesen wird die Kirch' genesen!"
Korbinian Huber, e.h.
"Bajuwarische Kirchenerneuerung" (Schriftführer)

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Personennahverkehr

(April 2005)

Hallo, ja, grüssie, heut is bei euch ja des Bürgertelefon. Genau, und da hätt ich gern den Herrn Minister Bartenstein gesprochen. Frechler, Siegi Frechler mein Name. Bitte.
Grüssie, Herr Minister; freut mich, dass sie sich hergeben, mit einem einfachen Bürger … eh klar … sie sind ja praktisch als Minister für Arbeit und Wirtschaft für mich zuständig, praktisch doppelt, weil ich arbeit in der Wirtschaft quasi. Ich bin im Management vom "Club Eros", vielleicht kennen sie's, in der Hayekgasse, früher hats Dolce Vita geheißen. Ab 22 Uhr täglich geöffnet, derzeit mit ganz junge Tänzerinnen.
Na, nix für ungut, Herr Minister Bartenstein, deswegen ruf ich nicht an, sondern ich möchte mit ihnen reden von Unternehmer zu Unternehmer, praktisch.
Es geht mir um diese Liberalisierung der Dienstleistungen in ganz Europa, wo ich gehört habe, dass sie das total unterstützten. Da sag ich ihnen: Danke und Bravo! Aber des spießt sich jetzt wieder … genau, völlig richtig, totale Liberalisierung … Ich möchte nur sagen, dass sie da ganz auf mich zählen können, weil ich darin ein Experte bin, quasi.
Ich kümmere mich seit Jahren um Osteuropa und da vor allem um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bei de Weiwa, quasi um die Frauenbeschäftigung vor allem im künstlerisch-erotischen Bereich. Und ich will ja nicht protzen: Aber wie ich glesen hab, dass man da in ganz Europa des einführen will, dass die Leute bezahlt werden nach dem Niveau von daham … genau, dem Herkunftslandprinzip … war ich irgendwie stolz, weil ich das seit Jahren praktiziere. Ich war einer der ersten, der was Damen aus dem Osten zu einer Stellung im Westen verholfen hat, als von einem EU-Beitritt noch keine Rede war. Wobei wir jetzt immer mehr von Tschechinnen auf Ukrainerinnen umsteigen. … bitte? Sicher, der Standortwettbewerb, der ist beinhart. Der Standort von meine Haserl ist vor allem der Gürtel im Bereich … ach so, eh klar, der internationale Standortwettbewerb.
Aber, Herr Minister, Frage: Was heißt jetzt: Herkunftslandprinzip. Da Scherzler Rudi, a Kollege, meint, da geht's nur um die Gage, oder heißt das auch, dass man die Damen so behandeln kann, wie sie auch daham behandelt werden? … Na, wo denkens den hin, Herr Minister, aber es gibt schon Gegenden, wo die Frauen eher konsequente Erziehungsmaßnahmen gewöhnt sind. Dass da nicht gleich eine Anzeige kommt oder was. Aha. Können sie jetzt nicht …
Und jetzt weiß no keiner, wies weiter geht. Weil ich glesen hab, man will da Ausnahmen bei Gesundheit, Wasser und Personennahverkehr. Frage: Welcher Verkehr ist da gemeint? .. Na, Gottseidank, de Autobusse und so. Bin ich beruhigt.
Weil das würde den Erotikstandort Österreich schwer gefährden, wo der Markt sowieso überlaufen ist. Da wird ja so viel gepfuscht, Herr Minister, da sollten sie einmal eingreifen. Gerade im Rotlichtmilieu gibt es durch Schwarzarbeit eine gigantische Grauzone. Nirgendwo wird derart verantwortungslos am Finanzamt vorbeigeschnaxelt wie in Österreich. … Genau, und dann fehlen die Steuern unterm Strich.
Es freut mich, dass Sie für den freien Verkehr kämpfen. Weil sich das bei uns bewährt hat. Sie verbreiten damit unseren moralischen Standard auf alle Bereiche in ganz Europa und schaffen damit einen riesigen Arbeitsstrich … Es geht um unsere Arbeitsplätze, es geht um unsere Zukunft!
Es würde mich freuen, wenn auch ich einmal etwas für Sie … natürlich ganz diskret.
Sie wissen, was ich meine!
Dere, hat mi gfreut. Ganz meinerseits.

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Des Hasen Wiederkehr

(März 2005)

Sehr geehrter Herr Direktor Klaus Albrecht Schröder!

Sie haben es nicht leicht in diesen Tagen. Man wirft Ihnen illegalen Tiertransport und Haltung eines Wildtieres in abgedunkelten Räumen vor. Auch wir hegten anfangs solche Bedenken, erkennen aber jetzt, dass Sie mit Ihrer Aktion die Öffentlichkeit in einem ungeahnten Ausmaß sensibilisiert haben für unser Anliegen: die Wiederentdeckung der Hasenverehrung!
Wir von der Hasenschutzinitiative HASI setzen uns für die Wiederbelebung des uralten Hasenkults und die Verbreitung der hasischen Spiritualität ein. Wir pflegen die Riten der Hasianer, deren Anfänge über 3000 Jahre zurückreichen. Beim Auszug aus Ägypten war es die wunderbare Fruchtbarkeit der mitgeführten Hasen, die den Israeliten das Überleben sicherte. Die so genannte Bundeslade war in Wahrheit ein Hasenstall, der unter König David unter dem Jubelruf "Hasianna" auf dem Berge Zion aufgestellt wurde. Noch König Salomo rühmte sich seiner 1000 Hasen. Doch der kinderlose König Hasdrubal brachte
die Wende! Aus Fruchtbarkeitsneid verbot er den Hasenkult, der hinfort nur noch im Geheimen praktiziert werden konnte. Wussten Sie, dass zum Beispiel Albrecht Dürer (!), Hasanova oder Hugh Hefner insgeheim Hasianer waren? Jetzt ist die Zeit reif, die Ära der "Hasenfinsternis" (Walbert Lampe) zu beenden, lebt doch im Osterhasen ("lepus paschalis") das alte Wissen fort. "Homo homini lepus", "der Mensch sei dem Menschen ein Hase", sagt der Philosoph Ottokar Rammler in seinem wunderbaren Werk "Entdecke deinen inneren Hasen". Und beim Propheten Hasekiel heißt es: "Wenn ihr nicht werdet wie die Hasen, werdet ihr nicht eingehen!" Der Hase ist für uns Vorbild an Sanftmut, Wachsamkeit und gesunder Ernährung. Der Glaube kommt vom Hören, das Hören aber von den langen Ohren! Wer Ohren hat zu glauben, der höre auf den Hasen!
Lieber Herr Schröder, wir laden Sie zum Ostervortrag mit Prof. Hasenhüttl auf unsere Hasienda in Haslach herzlich ein! Der Kinderchor der Dürer-Schule mit den Solistinnen Liesl und Albertina Gehrer wird "My Bunny is Over the Ocean" von Hans Leo Hasler zur Aufführung bringen. Wir informieren Sie gern über den "Schnupperkurs Hasenkult" oder den "Karotten-Lehrpfad." Hüpfen Sie doch einfach einmal vorbei!

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Die spinnen, die Finnen!

(Jänner 2005)

Keine Angst, lieber Kollege, ich kehr' sicher nicht aus dem Ruhestand zurück. Da wär ich schön blöd! Für die Pension, die ich jetzt krieg', müsst' ein Aktiver bis 85 arbeiten. Aber diese dumme G'schicht mit der Pisa-Studie lasst mir keine Ruh.
Unter uns: Eigentlich ist der Kreisky schuld! Er hat damals allen eingeredet, dass in jedem Kuhdorf ein paar das Zeug zum Studieren haben, dann hat man um teueres Geld Schulen auf die grüne Wiese gestellt, und jetzt verlangen diese Pisa-Gfrießer, dass die Schüler auch noch was lernen sollen! Was das alles kostet! Sicher, wenn einmal die Zeit reif ist für die Privatisierung der Bildung, werden sich wieder weniger ein Studium leisten können. Aber noch ist ein Bildungsrückbau der Masse schwer zu vermitteln. Die Ministerin hat das Beschwichtigen und Schönreden ja großartig g'macht. Das Niveau ist ständig gesunken und keiner hat's g'merkt. Da kommt auf einmal diese Pisa-Studie daher. Was tun? Ich seh' drei Optionen:
1. Man könnt' weitermachen wie bisher, Pisa nicht einmal ignorieren und aussitzen. Motto: "Jemand, der nicht weiter weiß, gründet einen Arbeitskreis." Oder, speziell für diese Regierung: "Jemand, der nicht weiter will, kürzt das Geld und lächelt viel!"
2. Man könnt' den Erfolg der Finnen auf das Klima zurückführen! Im Winter saukalt und finster, im Sommer lang hell, aber man kann nicht raus, weil die Mücken über einen herfallen. Hinter dem Haus beginnt gleich ein Sumpf oder es überrollt einen der Elch. Was bleibt dem Finnen übrig? Der kleine Finne greift zum Buch, der große zur Flasche. Motto: "Die spinnen, die Finnen!"
3. Man könnt' Bildung generell in Frage stellen. Der Analphabet müsste aufgewertet werden als schlichter, fleißiger, unverdorbener Bürger, die traditionelle Kritik am Intellektuellen (Stichwort: Bernhard & Jelinek) müsste wieder salonfähig gemacht werden. Höhere Bildung ist in der heutigen Zeit nicht unbedingt ein Karrierevorteil, oder können Sie sich einen gebildeten G.W. Bush oder Schwarzenegger vorstellen? Na also!
Und noch was: Dummheit ist billiger und für die Regierung bequemer. Motto: "Ein Volk, das nicht soviel studiert, ist doch viel leichter angeschmiert".

Servus & recht liebe Grüße an die Liesl!
Dr. Rüdiger Schlawiner, Sektionschef a.D.

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2004, das Jahr der Synergien

(Dezember 2004)

Sollten Sie Herrn Gscheidl irgendwo treffen, wird er Ihnen die Welt erklären, ob Sie wollen oder nicht. Um Silvester meist in Form eines Jahresrückblicks.
"2004 war das Jahr der Synergien, wenn Sie wissen, was das ist", belehrte er mich gestern. "Klar", antwortete ich, "Einsparung durch Zusammenlegung". "Richtig, ein Muss für den Staat. Nehmen Sie die Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie. Eine tolle Idee, nur sollte man auch die Namen kombinieren. Ich schwanke noch zwischen Polimerie und Gendarmerei."
"Na ja", warf ich ein, "das klingt doch etwas künstlich!"
"Neue Ideen, neue Begriffe". Herr Gscheidl war in Schwung gekommen. "Ein anderes Beispiel: Die Schule. Was fordern die Experten nach dem Pisa-Debakel? Zusammenlegung!"
"Allgemeine Spezialistenbildung für Genies mit hohem Förderbedarf", kommentierte ich. Er überhörte meinen Zynismus.
"Überall wird zusammengelegt. Die Konzerne machen es vor, der Staat muss nachziehen. Ich hoffe, Platter behält Inneres und Verteidigung!"
"Wahrscheinlich war er einmal Innenverteidiger beim Fußball!"
"Lenken Sie nicht ab. Es wäre ein schönes Uniformministerium. Oder brauchen wir neun Bundesländer, wenn die Chefs von Tirol, Salzburg und Kärnten Oberösterreicher sind? Ein Großoberösterreich würde genügen!"
"Sie haben sicher schon einen Namen parat!"
"Klar. Nach unserem Landeshauptmann würde ich es Pühringen nennen. Oder die Parteien: Es gibt ja kaum noch Unterschiede. Alle Politiker wollen an die Macht oder zum Stronach. Rot und Schwarz unterscheiden sich wie Persil und Dixan, gar nicht! Nach außen scheinbar Konkurrenten gehören sie alle Henkel."
"Welche Parteien würden Sie denn zusammenlegen?", fragte ich.
"Alle. Ich bin für die Gründung der SLVG, der sozialliberalen Volksgrünen! Ein riesiges Sparpotential!"
Ich lauerte auf eine Chance, mir seine Weisheiten zu ersparen. Als er gerade Rapid und Austria zusammenlegte, überquerte eine hübsche Kollegin die Straße. Ich winkte ihr und sagte rasch: "Sie haben mir sehr geholfen. Ich muss leider weg, um diese Dame über das Jahr der Synergien zu befragen!" "Was?", rief mir Herr Gescheidl nach. "Ob sie eventuell Interesse hätte an einer Zusammenlegung mit mir", rief ich zurück und bog erleichtert um die Ecke. Sein Gesicht hätte ich allerdings gerne noch gesehen.

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Grenzfall Weihnachten

(Dezember 2004)

Hallo, Ihr Lieben!

Es geht mir gut, was ich auch von Euch hoffe. Wir sind hier fast wie am Ende der Welt. Die haben noch nicht einmal Kabel-TV! Hoffentlich bekommen wir bald die neuen Unterkünfte, die uns der Minister versprochen hat, die angeblich alle verkabelt sind oder verschüsselt. Das Essen ist nicht besonders, dafür der Wein umso besser. Wir sind direkt im Anbaugebiet vom berühmten "Podersdorfer Herrgottströpferl". Kollege Hirnbichler sagt (solang er nüchtern ist), Österreich ist ihm wurscht, aber für einen guten Cabaret Sovignon kämpft er bis zum letzten Blutstropfen. Es wird Zeit, dass die Schengengrenze nach Osten verschoben wird. Dann sollen sich die Ungarn mit den Flüchtlingen plagen. Danke für die Erdbeermarmelade. Die Lage an der Grenze ist ruhig, pro Woche höchstens ein oder zwei Aufgriffe. Die neuen Infrarotgeräte sind total Spitze, da siehst du in der Nacht jede Maus.
Vorige Woche hatten wir einen großen Erfolg. Da gingen uns drei Typen ins Netz, natürlich alle ohne Papiere. Einer konnte ein wenig Deutsch, aber seine Namensangaben (Kaspar, Melchior, Balthasar) waren falsch. Er hat ständig behauptet, sie sind "drei Weiße aus dem Morgenland", was gar nicht stimmen konnte, weil zwei aussehen wie Saudis, und einer war ein Neger. Major Gscheidl sagt, es gibt gar kein Morgenland, und wenn, ist es ein sicheres Drittland.
Bei der Leibesvisitation zeigte sich, dass der eine Goldschmuck bei sich hat, wahrscheinlich der Chef der Bande, vielleicht der Schlepper. Die beiden anderen standen unter Drogenverdacht, aber es war nur ganz normaler Weihrauch und irgendwelche Kräuter.
Mein Verdacht, dass es sich um den Teil einer größeren Bande handelt, hat sich bestätigt: Dem Schwarzen habe ich eine Adresse herausgelockt. Und wirklich haben Kollegen in Linz in einer Wohnung in der Bethlehemstraße ein illegales Ehepaar (mit Kleinkind) festnehmen können. Nach zwei, drei Wochen Schubhaft werden alle zurückgeschoben.
Das war der größte Erfolg unserer Abteilung seit dem Juli. Kollege Fitzlinger und ich wurden für unseren Einsatz vom Chef persönlich belobigt, und können schon zwei Tage früher in den Weihnachtsurlaub.
Ich freu mich auf ein Wiedersehen. Weihnachten zu Hause ist halt doch am schönsten!

Bis bald: Papa

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Nieder mit der Sonntagsruhe!

(Dezember 2004)

Liebe Frau Mag. Claudia Kern vom SPAR!

Verstehen Sie mich bitte nicht miss: Bei der Sonntagsöffnung bin ich voll bei Ihnen! Ich mag diese Protestierer auch nicht, die sich gegen jeden Fortschritt stellen. Weil die sind ja gegen alles, gegen die Atome, die Gene, die Konzerne, und jetzt auch gegen Ihr SPAR am Linzer Bahnhof. Ich bin extra am Sonntag 60 km hingefahren und habe mir ein Sechsertragerl gekauft (obwohl es beim BILLA derzeit 1,90 € billiger ist) als flammendes Zeichen dafür, dass mir die Freiheit ein Anliegen ist.
Aber irgendwie kenn ich mich bei Ihnen auch nicht aus! Ein Nachbar (ein SPAR-Kritiker, typisch Lehrer) hat ein Mail vom SPAR-Service gekriegt, wo Sie schreiben, dass sich SPAR "keineswegs für eine generelle Öffnung am Sonntag einsetzt", sondern nur in Linz und in Graz. Warum nicht überall, wenn das Geschäft in Graz, wie Sie schreiben, regelrecht gestürmt wird? Warum soll es nur ein Sturm-Graz geben, und nicht auch ein Sturm-Wels oder Sturm-Vöcklabruck?
Mein Nachbar meint, dass es dann aus ist mit der Sonntagsruhe, weil alle einkaufen und die LKW liefern müssen. Na und? Gibt es was Faderes als die Sonntagsruhe? Ich bin früher Motocross gefahren und hätte am Sonntag Zeit zum Üben. Gerade das Überholen der großen Laster fordert den reifen Lenker heraus. Aber nein, am Sonntag dürfen keine LKW fahren, weil ein paar nervöse Lehrer Ruhe haben wollen!
Oder dass man dann keine Verwandtenbesuche mehr machen kann, wenn jeder an einem anderen Tag frei hat. Was, bitte, ist schlimmer als ein Verwandtenbesuch? Da fahr ich lieber um ein Sechsertragerl bis nach Graz als zur Tante Hedi!
Noch was Privates, aber das bleibt bitte unter uns:
Eine frühere Bekannte (sie heißt Claudia, wie Sie) ist jetzt mit einem SPAR-Filialleiter zusammen. Aber ein Kontakt ist noch immer irgendwie da. Wenn jetzt SPAR auch bei uns am Sonntag aufsperrt wäre das extrem günstig für mich, rein zwischenmenschlich. Sie verstehen, was ich meine.
Ich könnte dann zeigen, was in meinem Auto steckt, die Verwandten könnten meinem Auspuff nachschauen, und ich mache mit Claudia den Sonntagsspaziergang durch Ihre SPAR-Regale am Linzer Bahnhof!

Mit konsumentenfreundlichem Gruß:
Eberhard Hirnederl

P.S.: Was halten Sie vom Werbespruch "Komm zu SPAR rund um die Uhr, denn dort sperrt man nie mehr zua"?

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Weibliche Werte

(November 2004)

Liebe Susi!

Wow, ich habe einen ganz tollen Job gefunden und denke, das wäre auch was für dich! Und lass dir von Werner nur ja nicht einreden, es sei besser, wenn du brav zu Hause bleibst. Auch mein Felix liebte früher Sprüche wie "Frauen zurück an den Herd"! Nur ist er leider nicht reich genug, um sich solche Sprüche leisten zu können. Seitdem ich jetzt dazuverdiene ist er schön still geworden.
Ich gebe zu, Männer hatten es früher leichter. Wenn sie ausgelaugt vom täglichen Kampf am Arbeitsplatz nach Hause gekommen sind hat eine fürsorgliche Frau auf sie gewartet, sie getröstet, verwöhnt und wieder aufgebaut. Heute ist das anders. Wir berufstätigen Frauen sind selber außer Haus, niemand ist mehr da, die Männer zu bemuttern. Und seien wir ehrlich: Bei allem Gerede von Emanzipation wünschen sie sich das doch auch noch heute!
Genau da setzt die Agentur "Woman Sensitivity" an. Sie vermittelt für ihre Kunden die traditionellen weiblichen Werte. Ich erklär's dir an einem Beispiel.
Ich bin jetzt immer montags und donnerstags um 16.45 Uhr bei einem Spitzenmanager aus der Computerbranche. Ich warte entspannt auf ihn, bis es klingelt. Dann kommt er herein und überfliegt die Post. Ich muss dann ganz erfreut auf ihn zugehen und sagen: "Schatzi, hast wieder soviel arbeiten müssen?" Er darauf: "Tag, Mausi, ich muss leider gleich wieder weg." Dann komme wieder ich dran: "Du armes Schatzi, was bist du nur für ein tüchtiger Mann. Für eine Tasse Tee muss aber schon Zeit sein." Er nickt dann kurz, setzt sich, liest dabei Geschäftspost, ich schenke ihm Tee ein, wirke mütterlich besorgt, aber entspannt und fröhlich, und nach etwa 30 Minuten verlässt er wieder das Haus. Das ist alles.
Man muss sich natürlich auf jeden persönlich einstellen. Aber bei deinem Schauspieltalent ist das sicher kein Problem. Die Kunden kommen nur aus feinsten Kreisen, gestresste Doppelverdiener mit und ohne Kinder. Der Job hat weder mit dem Niedriglohnbereich, noch mit sexuellen Dienstleistungen etwas zu tun.
Na, was sagst du? Man verdient gut und hat wirklich das Gefühl, als Frau gebraucht zu werden. Mein Felix ist jedenfalls sehr zufrieden. Vom ersten Gehalt habe ich ihm einen Mikrowellenherd gekauft, damit er sich sein Essen wärmen kann, wenn er nach Hause kommt.

Liebe Grüße an Werner!
Carolin!

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Willkommen beim Abschied!

(Oktober 2004)

Sehr geehrte Frau Gesundheitsministerin!

Wir wissen, dem Staat fehlt das Geld an allen Ecken und Enden. Wenn wir aber bereit sind, überholte Vorurteile über Bord zu werfen, lässt sich das Budget in Nullkommanix sanieren! Ein Beispiel:
Ich besuchte einen Erbonkel im Krankenhaus, ein trauriger Fall! Er ist wegen Gebärvaterschrumpfung mehrfach operiert worden, und hat vielleicht noch ein, zwei Jahre zu leben. Ich frage Sie, was soll das für ein Leben sein? Aber es ist offenbar genug Geld da, dass ein Mensch, der vom Leben eigentlich nichts mehr hat, mit teurer Spitzenmedizin immer wieder operiert wird (Prim. Stopfler ist eine absolute Konifere auf seinem Gebiet).
Sie wissen, dass ein Mensch in seinem letzten Lebensjahr gesundheitsmäßig dem Staat mehr kostet, als sein gesamtes Leben zuvor! Würde man dafür sorgen, dass der Mensch nicht nach dem letzten Lebensjahr, sondern schon nach dem vorletzten in Würde abtreten kann, wäre das System mit einem Schlag gerettet! Man wird dann im Schnitt nicht 82, sondern "nur" 81, wirklich kein großer Unterschied!
Natürlich muss das freiwillig sein, so wie beim "Pensionskorridor". Da kann man wählen, wann man zwischen 64 und 74 in Pension geht. Davon hängt die Höhe der Pension ab. Ich schlage nun auch einen "Abschiedskorridor" vor! Je früher jemand bereit ist, dass die Pensionszahlungen eingestellt werden, desto großzügiger kann der Staat sein! Jemand, der bis 74 arbeitet und bereit ist, mit 78 abzutreten, könnte die relativ wenigen Jahre im Ruhestand mit einer hohen Pension und einer supernen Gesundheitsversorgung rechnen. Solche Menschen müssten als Vorbilder hingestellt werden. Bei weniger als 10 Jahren Rente gibt es das silberne, bei weniger als 5 Jahren das goldene Sozialsparabzeichen. Wer bereit ist, das System nur ein Jahr zu belasten, den würde ich belohnen mit einer Schönheitsoperation durch Prof. Brinkmann, einer Kreuzfahrt auf dem Traumschiff, und einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof. Wer sich selber überhaupt gleich nach seinem Erwerbsleben einspart, dessen sterbliche Überreste sollten eine Endlagerung in einem Weltraumsatelliten erhalten!

Ich möchte schließen mit John F. Kennedy:
"Frage nicht, was der Staat für dich tun kann. Frage dich, was du für den Staat tun kannst!"

Herzliche Grüße
Theobald Kunze

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